„Bessere Strukturen als in Braunschweig gibt es wahrscheinlich in ganz Deutschland nicht“

Die Gesundheit ihrer Einwohner sichern und fördern sind wichtige Aufgaben der Stadt Braunschweig. Warum das Thema eHealth dabei eine große Rolle spielt, wieso ein IT-gestützter Überleitungsbogen Doppelt- und Dreifachuntersuchungen vermeiden hilft und in welche Richtung sich das Gesundheitssystem verändern muss, erklärt Braunschweigs Sozial- und Gesundheitsdezernent Ulrich Markurth im Interview.

Herr Markurth, die Stadt Braunschweig ist beim Projekt eHealth.Braunschweig mit dem Fachbereich Gesundheit und Soziales und einer Reihe weiterer städtischer Einrichtungen stark vertreten. Warum setzt sich die Stadt so sehr für das Thema eHealth ein?

Wir bauen darauf, dass durch eHealth neue Arbeitsplätze in der IT-Branche entstehen. Unsere Erwartungen betreffen aber nicht nur das ´e`, sondern auch das ´Health`. Von der Einbindung der Informations- und Kommunikationstechnologien in das Gesundheitssystem soll möglichst jeder Mann und jede Frau in Braunschweig etwas haben. Darüber hinaus sind die Fortschritte auch wichtig für unser Image. Als Stadt der Wissenschaft stehen wir im Forschungsbereich bundesweit für zukunftsgerichtete Innovationen.

Welche Fortschritte erwartet die Stadt im Bereich Gesundheit?

Wir haben mit dem Hygienenetzwerk und dem Dekubitus-Projekt konkrete Vorhaben bei eHealth.Braunschweig eingebracht, für die wir wegen der großen Datenmengen IT-gestützte Plattformen benötigen oder weil wir mit klaren Kommunikationswegen schnellere Reaktionsketten auslösen möchten. Wir erhoffen uns auch, dass wir die Informationsübertragung bei der Ein- und Überweisung von Patienten verbessern, die manuell fehleranfällig sein kann.

Wieso fehleranfällig?

Wie häufig kommt es vor, dass ein Patient vom Hausarzt zum Facharzt und schließlich in die Klinik geht und dabei Doppelt- oder sogar Dreifachuntersuchungen oder Dokumentationsverlusten entstehen können? Über einen IT-gestützten Überleitungsbogen, der Informationen eindeutig und transparent macht, ließen sich derartige Risiken deutlich minimieren – und damit auch überflüssige Kosten und unnötige Belastungen für den Patienten.

Wie sieht hier der Entwicklungsstand aus?

Wir besitzen eine laborartige Simulation, die wir als nächstes in der Praxis anwenden wollen. Bisher sind alle Versuche in Deutschland in diese Richtung gescheitert. Wir haben einen neuen Anlauf gestartet, um die Praxisanwendung in der Region oder zumindest in Braunschweig zu schaffen. Dabei bekommen wir von allen Seiten Unterstützung. Viele wollen bei einem Innovationsschub dabei sein, der das gesamte deutsche Gesundheitssystem revolutionieren könnte.

Dass sich IT-Anwendungen im Gesundheitssystem bewähren…

…ist ein absolutes Muss. Wir brauchen neue Produkte und Dienstleistungen auf IT-Basis. Ansonsten würden die Kosten weiter explodieren, die Leistungen zurückgehen und das bewährte Gesundheitssystem schließlich zusammenbrechen.

Je mehr Partner es gibt, desto unterschiedlicher sind meist die Interessen. Wie stellt sich die Interessenlage in Braunschweig dar?

Es ist unser Vorteil, dass bei allen Beteiligten eine große Offenheit für die jeweiligen Sichtweisen von Wissenschaft, Wirtschaft und Stadt herrscht. Wenn das so nicht wäre, würde das Projekt scheitern. Es gibt viele gemeinsame Interessen und klar formulierte Ziele. Bessere Strukturen als in Braunschweig – auch weil die größte Klinik Niedersachsens mit am Tisch sitzt – gibt es wahrscheinlich in ganz Deutschland nicht.

Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen e.V.

eHealth.Braunschweig goes NDGR

Durch die Kooperationen im Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen e.V. soll das Bild der Gesundheitswirtschaft geschärft und die Kompetenzen von eHealth.Braunschweig mit eingebracht werden – sowohl in der nationalen Wahrnehmung wie vor allem aber auch in der außenwirtschaftlichen Perspektive.

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