Dekubitus-Erfassung: „eHealth.Braunschweig hat eine neue Aktivitätswelle ausgelöst“

Das Wundliegen eines Patienten, der Dekubitus, gilt als wichtiger Gradmesser: Niedrige Dekubitusraten sind das Zeichen für eine qualitativ gute Pflege. Dr. Brigitte Buhr-Riehm (Gesundheitsamt), Rainer Schubert (Gesundheitsplanung) und Heike Stöter (Städtisches Klinikum) haben vor sechs Jahren damit begonnen, die Dekubitusfälle in Braunschweig systematisch zu erfassen. Welche Ziele dahinter stecken, warum die Dekubitusrate gesunken ist und was sich durch die Zusammenarbeit mit eHealth.Braunschweig verändert hat, verrät die Arbeitsgruppe im Interview.

Frau Buhr-Riehm, wer beteiligt sich an der Dekubitus-Erfassung Braunschweig?

Buhr-Riehm: Aktuell machen rund 60 Prozent der stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen in Braunschweig mit – das sind 40 Heime, Pflegedienste, Krankenhäuser und Sozialstationen.

Wie bewerten Sie diese Quote?

Buhr-Riehm: Die Beteiligung ist gut, doch geben wir uns damit nicht zufrieden. Unser Ziel ist, jede Pflegeeinrichtung in Braunschweig zum Mitmachen zu bewegen.

Wie funktioniert die Dekubitus-Erfassung?

Buhr-Riehm: Wir stellen das Erfassungsinstrument für die Daten zur Verfügung, die die Einrichtungen in eigener Verantwortung erheben. Die Dokumentation geschieht anonym: Allein die Pflegeeinrichtungen wissen, wie ihre Dekubitusrate aussieht.

Welche Zahl ist für Sie wichtig?

Buhr-Riehm: Wir als Arbeitsgruppe interessieren uns für die Gesamtsituation in der Stadt. Wir wollen, dass es in Braunschweig so wenige Dekubitusfälle wie möglich gibt.

Wie hoch ist die Dekubitusrate für Braunschweig?

Schubert: Zurzeit liegt die Rate bei 3,12 – das ist ein guter Wert. Als wir im Jahr 2004 anfingen, war die Zahl deutlich höher. Die Erfassung hat dazu geführt, dass die Aufmerksamkeit für Dekubitus in Braunschweig viel größer geworden ist. Jede Einrichtung kann ihr Ergebnis dem Braunschweiger Durchschnittswert gegenüberstellen…

…und zum Benchmarking verwenden.

Schubert: Genau. Wie stehen wir im Vergleich da? Was können wir tun, um die Zahl an Dekubitusfällen zu senken? Die Antworten darauf setzen automatisch einen Qualitätssicherungsprozess in den Einrichtungen in Gang.

Seit kurzem steht die Dekubitus-Erfassung unter dem Dach von eHealth.Braunschweig. Was versprechen Sie sich davon?

Stöter: Die Erhebung war in den vergangenen Jahren ein sehr mühsames Geschäft. Die Einrichtungen hatten große Schwierigkeiten, das Erfassungsinstrument richtig einzusetzen, weswegen wir immer wieder unterstützend zur Seite stehen mussten. Das kostete viel Zeit und Aufwand. Jetzt haben wir ein Netzwerk, das uns unter die Arme greift. eHealth.Braunschweig hat eine neue Aktivitätswelle ausgelöst.

Inwiefern?

Stöter: Durch die Beteiligung des Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrums, des Softwarehauses LINEAS und des Peter L. Reichertz Instituts für Medizinische Informatik haben wir nun ganz andere Möglichkeiten. Mit der neuen Software aus dieser Zusammenarbeit ist die Erfassung für alle Beteiligten einfacher geworden, die Ergebnisse liegen viel schneller vor. Wenn der Pflegemitarbeiter will, kann er sich sofort nach seiner Dateneingabe das Resultat grafisch darstellen lassen und es in die nächste Teambesprechung zur Analyse mitbringen. Die Vereinfachung des Systems wird weitere Einrichtungen motivieren, sich zu beteiligen.

Warum sind Pflegeheime zunehmend in der Pflicht, Leistungs- und Qualitätsnachweise zu erbringen?

Schubert: Ambulante und stationäre Einrichtungen sind gefordert, Patienten und ihren Angehörigen den Nachweis zu liefern, dass sie ihre Arbeit gut machen. Mittelfristig wird sich jede Pflegeeinrichtung dem Thema stellen müssen und Daten zur Qualitätssicherung erheben. Ich gehe davon aus, dass sich solche Daten zu einem echten Wettbewerbsinstrument entwickeln werden, mit dem Pflegeeinrichtungen ihren Patienten überzeugen können: Bei uns bist du richtig.

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