Die Wohnung der Zukunft gibt’s schon – in Braunschweig

Das Thema eHealth ist ein weites Feld. Entsprechend viele Erklärungen gibt es, was sich hinter diesem Begriff verbirgt: etwa der Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen, die Bereitstellung von dialogfähigen Informationssystemen für Patienten und Gesundheitsexperten oder das Zusammentreffen von Internet und Medizin. So viele Definitionen es auch geben mag – das Ziel ist immer dasselbe: eHealth will die Qualität des Gesundheitswesens erhöhen. So auch das Projekt eHealth.Braunschweig.

Das Projekt wird vom Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum geleitet und von der EU gefördert. Daran beteiligt ist eine Vielzahl regionaler Unternehmen und Institutionen – vom Klinikum Braunschweig über das Deutsche Rote Kreuz und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen bis hin zur Technischen Universität Braunschweig. Auch die Nibelungen Wohnbau zählt zu den Partnern. Warum? „Weil wir gemeinsam lebenslanges Wohnen möglich machen wollen“, sagt Nibelungen-Geschäftsführer Rüdiger Warnke.

Statt in eine Pflegeeinrichtung oder ein Wohnheim zu ziehen, möchten Seniorinnen und Senioren so lange wie möglich ein unabhängiges Leben in den eigenen vier Wänden führen. Das Projekt eHealth.Braunschweig leistet dazu einen Beitrag. Im Verbund mit der Technik könne man vieles leisten, um den Wunsch der Senioren zu unterstützen, sagt Rüdiger Warnke. „Ganz wichtig ist es, in den Wohnungen eine geeignete Kommunikationsstruktur zur ärztlichen Versorgung aufzubauen, um Menschen, denen die Mobilität fehlt, den Weg zum Arzt zu ersparen.“

Die Entwicklung der Telemedizin spielt dabei eine wichtige Rolle. Zur Telemedizin gehören beispielsweise Wohnungssensoren, die die Herzfrequenz eines Menschen erfassen und die Daten über große Distanzen zum Arzt übermitteln können. Bei kritischen Werten wird der Mediziner informiert.

In Braunschweig wird dazu intensiv geforscht. Das Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der TU Braunschweig und Medizinischen Hochschule Hannover hat ein Labor, wie man es selten sieht: eine Wohnung der Zukunft, die mit Schlaf- und Wohnzimmer, Bad- und Wohnbereich auf dem ersten Blick ganz normal ausschaut, doch mit Assistenzsystemen wie einen Sensor zur Überprüfung des Heimfitness-Trainings ausgestattet ist. Bei den Forschungen an erster Stelle steht, die Intimsphäre der Menschen zu wahren und den Schutz ihrer Daten zu gewährleisten.

Ärzte in der Region befürworten das Projekt eHealth.Braunschweig – und arbeiten wie Professor Horst Kierdorf daran mit. „Wir machen aus den vielen Kommunikationskanälen des Gesundheitssystems einen gemeinsamen“, nennt der Ärztliche Direktor des Klinikums Braunschweig ein zweites Projektziel. Krankenhäuser, Praxen, Apotheken, Reha-Zentren und Pflegeeinrichtungen – sie alle sollen sich vernetzen. Horst Kierdorf sagt: „Wenn wir durch die Einbindung von Informationstechnologien die Dokumentation der Behandlung und die Kommunikation der Gesundheitsakteure untereinander verbessern, wird das auch der Patientensicherheit zugute kommen.“

Quelle: Braunschweiger Journal, August/September 2010, Seite 16

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